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Reduzieren, statt ganz aufzuhören

03.11.2016

Von Vanessa Joneleit

PRISMA Jugend- und Suchtberatung der AWO startet in Kürze einen neuen Kurs zum Thema „Kontrolliertes Trinken“

LAMPERTHEIM - Wer alkoholabhängig ist, für den stellt eine vollkommene Abstinenz eine große Herausforderung dar. Ein Fortschritt kann es da schon sein, kontrolliert zu trinken. Bewusster mit Alkohol umzugehen und selbstbestimmt zu entscheiden, wann und wieviel getrunken wird, kann die Gesundheit stärken und mehr Lebensqualität erhalten. Wie man sich selbst zügelt, indem man sich eigene Grenzen setzt, das können Interessierte bei der AWO Jugend- und Suchtberatung „Prisma“ lernen. In Kürze startet dort ein neuer Kurs zum Thema „Kontrolliertes Trinken“.

9,5 Millionen konsumieren in riskantem Ausmaß

 

Den eigenen Konsum kontrollieren, ohne ganz mit dem Trinken aufzuhören – geht das? Laut Hans Münchmeyer kann das funktionieren. Der Mitarbeiter der Jugend- und Suchtberatung ist ausgebildeter Trainer und wird den Kurs zum kontrollierten Trinken leiten. „Laut dem Drogenbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2015 beträgt der durchschnittliche Pro-Kopf-Alkoholkonsum in Deutschland 9,6 Liter reinen Alkohol pro Jahr. 9,5 Millionen Menschen konsumieren in einem riskanten Ausmaß“, berichtet Münchmeyer im Rahmen eines Pressegesprächs. Wenn die Kontrolle über den eigenen Alkoholkonsum verloren gehe und der Abend immer öfter im Vollrausch ende, dann sei es ratsam, seinen Alkoholkonsum kritisch zu hinterfragen. „Oftmals ist der völlige Verzicht für die Betroffenen aber keine Option. Das kontrollierte Trinken kann dann eine Alternative darstellen“, betont der Mitarbeiter.

Ziele könnten sein, in bestimmten Situationen keinen Alkohol mehr zu trinken, nur noch am Wochenende oder an bestimmten Tagen zu trinken. Auch die Menge des Alkohols zu reduzieren, sei eine Möglichkeit. „Wichtig ist, dass es bei unseren Treffen keine Vorgaben gibt. Jeder entscheidet für sich selbst und erstellt einen individuellen Plan. Das Prinzip lautet Selbstkontrolle“, erklärt der Diplom-Sozialarbeiter. Im Kurs würden Grundinformationen zum Thema Alkohol vermittelt, sich mit der persönlichen Bilanz auseinandergesetzt, ein Ziel festgelegt und ein Trinktagebuch geführt. Auch der Umgang mit Risikosituationen und die Freizeitgestaltung würden thematisiert. Das wissenschaftlich fundierte Programm zum kontrollierten Trinken nach Prof. Dr. Körkel biete dabei eine systematische Unterstützung.

Bereits Anfang des Jahres hatte ein erster Kurs zum Thema stattgefunden. Zwar habe es sich dabei um eine kleinere Gruppe gehandelt, die Arbeit sei dadurch aber umso intensiver gewesen, berichtet Münchmeyer. „Vor Beginn des Kurses laden wir die Interessierten zu zwei Vorgesprächen ein. Hier klären wir, ob das Programm für die jeweilige Person sinnvoll ist oder ob sich andere Angebote besser eignen würden. Zudem wird ein Fragebogen bearbeitet der gemeinsam besprochen wird“, erläutert der Gruppenleiter. Anmeldungen zu diesen Vorgesprächen seien ab sofort erwünscht.

Lampertheimer Zeitung, Vanessa Joneleit

 

Foto: Hans Münchmeyer und Eva Spaniol stellen den Kurs vor