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Zum Spielerschutz bei Glücksspielsucht sind die Kommunen gefordert

09.06.2016

Prisma zieht Zwischenfazit nach zwei Jahren Sperrsystem OASIS für Glücksspielende

LAMPERTHEIM – Seit Mai 2014 sind auch die letzten Spielhallen in Hessen an das im Hessischen Glücksspielgesetz verpflichtende Sperrsystem OASIS (Online-Abfrage-Spielerstatus) angebunden. Zeit für die AWO Jugend- und Suchtberatung PRISMA, Bilanz zu ziehen.

Unter dem Titel „Spielerschutz bei Glücksspielsucht – Sperre ohne Behandlung?” erläuterten die Leiterin der Suchtberatungsstelle in Lampertheim, Eva Spaniol, sowie die Fachberaterin bei Glücksspielsucht, Eva-Marie Lindemann, über den aktuellen Stand und die Veränderung seit der Einführung.

So sind seit dem Bestehen von OASIS circa 12.300 Spielhallensperren von problematischen und pathologischen Spielern bei Basis eingegangen, davon jedoch lediglich etwa 120 Fremdsperren, welche durch Angehörige initiiert wurden.

„Mit dieser Möglichkeiten wurde den Spielern eine Option geschaffen, eine Maßnahme im Umgang mit dem auffälligen Spielverhalten zu ergreifen. Doch für viele ist hier Schluss und das Thema behandelt”, betont Eva-Marie Lindemann. Dieser Trend werde von Fachleuten seit der Einführung der Spielsperre beobachtet und als sehr kritisch bewertet. „Die Spielhallensperre stellt eine von vielen sinnvollen Möglichkeiten dar, um aus dem Kreislauf des Spiels auszusteigen. Wer allerdings denkt, dass mit der Sperre auch die Sucht ad acta gelegt wurde, der wird über kurz oder lang die Erfahrung machen, dass dies nicht so leicht ist”, ergänzte Eva Spaniol. Eine weiterführende Beratung und/oder Behandlung sind die erforderlichen Maßnahmen, um mit der seit 2001 anerkannten Erkrankung Glücksspielsucht umzugehen.

Doch wie sieht der Umgang mit der Spielhallensperre in der Realität aus, fragen sich die beiden Suchtexpertinnen. Denn während auf der einen Seite Spielhallen durch Gesetzgebungen reglementiert werden, sprießen plötzlich vermehrt sogenannte Spielcafés und -bistros aus dem Boden, bei denen schon das äußere Erscheinungsbild eher nach Spielen als nach Snacks und Kaffees aussieht. „Dort wird Glücksspiel angeboten, ganz ohne beschränkende Gesetze – und die Läden brummen. Da hier auch OASIS und damit die Sperre nicht gilt bzw. kontrolliert wird, sind diese Spielcafés häufig genau die Nischen, die Süchtige brauchen, um doch ihrer Sucht nachzugehen. Mit dem reinen Gewissen, ja gesperrt zu sein”, warnt Eva Spaniol. Ein weiteres Problem in Südhessen sei die Nähe zu Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, denn dort gibt es noch kein Sperrsystem. Kritisch seien auch die Wettbüros zu sehen, die sich derzeit in einem luftleeren gesetzlichen Raum befinden. „Diese werden derzeit nur geduldet.”

„2017 wird es zwei wesentliche Neuerungen geben: Denn erstens werden die bisher möglichen Mehrfachkonzessionen gestrichen – bisher konnten Spielhallen mehrere Konzessionen á zwölf Automaten mit je zwölf Quadratmeter Fläche pro Automat beantragen – und zweitens müssen 300 Meter Abstand zwischen den einzelnen Spielhallen liegen, die zudem nicht in der Nähe von Kindergärten, Schulen oder Suchtberatungseinrichtungen liegen dürfen”, stellte Eva-Marie Lindemann klar. Dies gelte auch für bestehende Spielhallen, was sicher eine Flut von Klagen mit sich bringen werde.

„Die Kommunen dürfen die Augen nicht verschließen. Es ist politische Aufgabe zu schauen, wie wir langfristig mit Anträgen auf Spielhallen und mögliche Klagen umgehen. Dabei dürfen nicht nur die für einzelne Gemeinden sicherlich wichtigen Steuereinnahmen eine Rolle spielen, vielmehr muss man diesen mögliche anfallende Kosten im Sozialbereich gegenüberstellen. Nämlich zum Beispiel genau dann, wenn Spielsüchtige arbeitslos werden”, so Eva-Marie Lindemann weiter. „Die Kommunen sind jetzt gefordert, ihren Beitrag zum Spielerschutz beizutragen. Denn wer sein Glück im Spiel versucht, verliert.” Benjamin Kloos, Tipp-Verlag