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AWO Schuldnerberatung erhält Spende in Höhe von 15.500 €

23.10.2015

Die Sparkassen helfen der AWO-Schuldnerberatung seit 21 Jahren mit einer jährlichen Spende. Auch diesmal war die Freude groß. Gemeinsam spendeten die drei Sparkassen im Kreis Bergstraße 15.500 Euro. Im Bild (von links): Fachberaterin in der Schuldenprävention Melanie Schilling, Wolfhard Hensel (Mitglied des Vorstandes der Sparkasse Worms-Alzey-Ried) und Mitarbeiterin Martina Desch, Detlev Pfeiffer (Sparkasse Bensheim), Klaus Thieme (Sparkasse Starkenburg) und Leiter der AWO-Schuldnerberatung Peter Kellermann. Foto: Hannelore Nowacki

BÜRSTADT – Oft dreht sich die Schuldenspirale rasend schnell. Bei der jährlichen Vorstellung der Arbeitsergebnisse berichtete Peter Kellermann, Leiter der AWO-Schuldenberatung in der Nibelungenstraße 164, wie schnell aus nicht bezahlten 40 Euro für eine Schwarzfahrt durch Inkasso-Gebühren innerhalb von drei Monaten 150 Euro werden können. „Da ist einiges im Argen“, meint Kellermann und hofft auf den Gesetzgeber, der hier für Regelungen in der Inkassobranche sorgen sollte. Andererseits habe das Pfändungsschutzkonto die Lage verbessert und zur Entlastung der Beratung beigetragen. Eine spannende Frage sieht der erfahrene Schuldenberater  im nächsten Jahr auf sich zukommen, wenn der Gesetzgeber das Recht auf ein Girokonto zum Stichtag 18. September in deutsches Recht umsetzen soll, was die EU verlange. Viele weitere gesetzliche Vorgaben machen den Beratern und Schuldnern die Bewältigung der Schuldenfrage schwer. Vier Berater sind jetzt in der AWO-Schuldnerberatung tätig, die im letzten Jahr für 400 Hilfesuchende Beratungen anboten. 54 Prozent waren Männer, 46 Frauen – ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis. Oft werde ausdrücklich ein männlicher oder weiblicher Berater gewünscht, auch das könne die Schuldnerberatung bieten. 362 Anrufe mit 291 namentlich erfassten Anrufern hatte die Telefonberatung zu bearbeiten, die zweimal in der Woche für zwei Stunden geschaltet ist. Mit diesem Konzept konnte seit 2013 die lange Warteliste stetig abgebaut werden, erklärte Kellermann. Früher hätten Schuldner häufig über ein Jahr auf die persönliche Beratung warten müssen. Dennoch scheint die Schuldnerberatung am Limit zu arbeiten, denn im Vergleich zu 2011 hat es einen Anstieg der Insolvenzverfahren von 41 Prozent gegeben, von denen sieben Verfahren erfolgreich waren. 100 Verfahren seien gescheitert oder das Ergebnis sei noch offen, berichtete Kellermann. Ursache hierfür sei vorwiegend die gesetzliche Anforderung, auch in aussichtslosen Fällen ein Insolvenzverfahren beantragen zu müssen. Hauptsächlich bei den einkommensschwachen und erwerblosen Schuldnern gebe es wenig Möglichkeiten der Regulierung.  „Es gibt eine Regulierungswarteschleife bei der AWO-Schuldnerberatung“, fasste Kellermann die prekäre Lage zusammen, bedingt durch die begrenzten personellen und finanziellen Kapazitäten. Ausgerechnet in dieser Situation fehlen in diesem Jahr 75.000 Euro, die der Kreis Bergstraße aus haushaltstechnischen Gründen nicht zur Verfügung stellen konnte. Das Geld aus dem Sozialpaket des Landes Hessen sei zwar nicht verloren, konnte jedoch nicht für die diesjährige Personalplanung verwendet werden. Bei dem vorliegenden Bedarf  habe die AWO-Schuldnerberatung das Ziel, die bestehenden Strukturen auszuweiten. Ohne Spenden geht es nicht, machte Beratungsstellenleiter Kellermann deutlich und dankte den Vertretern der Sparkasse Worms-Alzey-Ried, Sparkasse Starkenburg und Sparkasse Bensheim für die beachtliche Spende in Höhe von 15.500 Euro, die mit einem symbolischen Scheck übergeben wurde. Es war die 21. Spende der Sparkassen. Zunehmend seien Rentner von Überschuldung betroffen – hier sieht Kellermann durch die zukünftig noch zunehmende Altersarmut weitere Steigerungen. Häufige Gründe für die Überschuldung seien auch Trennung, Tod des Partners und Erwerbslosigkeit, fehlerhaftes Konsumverhalten hingegen nehme ab. Zeitverzögert können auch Flüchtlinge zu den zukünftigen Ratsuchenden gehören, weiß Kellermann aus Erfahrung. Fachberaterin Melanie Schilling berichtete von den zahlreichen Projekten in der Arbeit zur Schuldenprävention vorwiegend in Kooperation mit Schulen im Kreis Bergstraße. In Bürstadt läuft die Zusammenarbeit mit der Erich-Kästner-Schule. Schüler können den „Finanzführerschein“ erwerben und sich als „Experte in Finanzfragen“ zertifizieren lassen. Die Lehrer werden geschult und erhalten für 20 Unterrichtseinheiten, die für den Finanzexperten vorgesehen sind, von der AWO Materialien und CD. Beim Projekt „Anton Azubi“ lösen die Schüler Fragen des Alltags. Die Erfolge in der Prävention ließen sich nicht in Zahlen beziffern, gab Fachberaterin Schilling zu bedenken. Hannelore Nowacki, Tip-Verlag

 

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