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Schuldnerberatung stellt Jahresbericht vor

23.10.2015

Viele Schuldner müssen noch immer Hilfe in Anspruch nehmen

BÜRSTADT - Wenn die Schuldenfalle zuschnappt wissen viele Leute nicht mehr weiter, denn Geld regiert bekanntlich die Welt. In solchen Momenten ist schnelles Handeln gefordert, helfen kann dabei eine Schuldenberatungsstelle, wie zum Beispiel die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Diese Schuldnerberatungsstelle weiß jedoch, dass Handeln auch schon vor der Verschuldung nötig ist, neben der Intervention ist die Schuldenprävention eine der wichtigsten Aufgaben der Berater der AWO. Einblicke in ihre Arbeit und damit verbundenen Zahlen boten deshalb der Leiter der Schuldnerberatung, Peter Kellermann, und Melanie Schilling von der Abteilung Prävention am Donnerstagmorgen bei ihrem Jahresbericht 2014.

 

Ganze vier Berater hat die Schuldnerberatung der AWO derzeit, die sich stets um die Sorgen vieler Schuldner – 2014 waren es 400 – kümmern. Zweimal wöchentlich biete die AWO für je zwei Stunden Telefonberatung an, diese hatten im vergangenen Jahr 291 Personen mit 362 Anrufen in Anspruch genommen. Für 117 Personen wurden außergerichtliche Regulierungspläne angefertigt, davon kamen aber gerade einmal sieben zustande, 100 wurden abgelehnt und zehn sind noch offen. Außerdem wurden 2014 117 Insolvenzverfahren eingeleitet, das bedeutet im Vergleich zu 2011 ein Anstieg von 41 Prozent. „Diese Zahlen passen nicht zu denen des Statistischen Bundesamtes, sie sind entgegen dem Trend“, so der Leiter der Schuldnerberatung. Die häufigste Schuldenursache läge noch immer in der Arbeitslosigkeit, andere Gründe seine Scheidung und die ansteigende Altersarmut. „Jeder siebte Rentner hat finanzielle Schwierigkeiten, in den nächsten Jahren wird diese Zahl sogar noch ansteigen“, erklärte Kellermann. Daneben befürchtet der Leiter auch: „Etwas zeitverzögert werden auch die Flüchtlinge bei uns landen, wir merken jetzt schon, dass viele Bulgaren, die vor gut zehn Jahren gekommen sind, unsere Hilfe in Anspruch nehmen. So wird es auch den anderen Flüchtlingen gehen.“ Um diesen Ansturm von hilfebedürftigen Schuldnern stemmen zu können, ist die AWO auf Gelder angewiesen. Normalerweise stellt der Kreis Bergstraße jährlich 75 000 Euro zur Verfügung. Diese können im Jahr 2015 jedoch nicht genutzt werden, sie stehen jetzt aus haushaltstechnischen Gründen noch nicht zur Verfügung. „Diese 75 000 Euro sind jedoch nicht verloren, sondern können später zweckgebundenen Projekten zur Verfügung gestellt werden“, beruhigte der Leiter Peter Kellermann.

Auch in der Präventionsarbeit ist die Schuldnerberatung stets aktiv. Von 37 Schulen im gesamten Kreis Bergstraße hatte die AWO 22 mit ihren Projekten erreichen können. An drei Schulen wäre das Projekt des Nachwuchsexperten in Finanzfragen gestartet worden, wobei es um einen fiktiven Auszubildenden Anton ginge, der die finanziellen Hürden des Alltags bewältigen müsse. Dieses Projekt umfasse 20 Unterrichtseinheiten und werde von der AWO an die Lehrer übergeben, die vorher eine Schulung erhalten. „Die Schüler sollen dadurch nicht nur Wissen vermittelt bekommen, sondern vorrangig die Anwendung üben. Das ist ein nachhaltiges Projekt und deshalb auch das Flaggschiff der Präventionsarbeit und der Weg zum Erfolg“, hob Melanie Schilling hervor. Ein anderes Projekt sei „Rund ums Geld“, was letztes Jahr im Rahmen des normalen Unterrichts in zwei Schulen durchgeführt wurde. Ziel der erfolgreichen Präventionsarbeit sei es das nachhaltige Bewusstsein der Teilnehmer zu fördern und so spätere Handlungen zu beeinflussen. Ein weiteres Projekt im Jahre 2014 wurde im Rahmen des Hessentages gestartet. Beim Finanzführerschein sollten die Teilnehmer durch Fragen überprüft werden beispielsweise wie viel Taschengeld, in welchem Alter angemessen ist, nahezu alle seien durchgefallen. „Man geht von einem höheren Standard aus, deswegen waren die Ergebnisse erschreckend, dennoch gab es drei Gewinner“, erinnerte sich Melanie Schilling.

Um diese Arbeit noch lange erhalten zu können unterstützt die Sparkasse die AWO schon seit 21 Jahren. Stellvertretend für die Sparkassen Bensheim, Worms-Alzey-Ried und Starkenburg überreichte Wolfhard Hensel der Schuldnerberatung einen Scheck über 15 500 Euro und ermunterte Schilling und Kellermann: „Machen Sie weiter so.“

 

Bürstädter Zeitung, Kim Molitor

 

Foto: Vier Vertreter der Sparkassen Starkenburg, Worms-Alzey-Ried und Bensheim überreichen der Schuldnerberatung der AWO ihre Spende.